Als ich mit 16 meine Lehre anfing, „musste“ ich während der theoretischen Ausbildung ins Internat. Das Zimmer, ausgestattet mit 2 Doppelstockbetten, 2 Schränken, einem großen Tisch und 4 Stühlen, teilte ich mir mit 3 weiteren Mädels. Es gab ein Gemeinschaftsbad pro Etage und im Kellergeschoss einen Duschraum, in dem nur zu bestimmten Zeiten warmes Wasser verfügbar war, das nicht immer für alle reichte. Von Luxus keine Spur, doch geschadet hat es mir nicht. Im Gegenteil. Verzicht, Rücksichtnahme und die zwangsläufig notwendige Organisation des Miteinanders sind für Teenager nämlich gute Begleiter auf dem Weg zum Erwachsenwerden und zur Selbstständigkeit.
Als ich heute den Sohn ins Schülerwohnheim Lindau brachte, in dem er die nächsten 3,5 Jahre während der Berufsschulzeit „residiert“, war das wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Ein Zimmer für 3 Personen, für jeden ein Bett, ein Schrank, ein Schreibtisch, ein Stuhl, alles in von Luxus weit entfernter Ausstattung. Dass kein Internet vorhanden ist, versteht sich von selbst. Dafür wird vermutlich den ganzen Tag warmes Wasser aus dem Duschkopf rieseln. Man kann eben nicht alles haben. Muss man aber auch nicht. Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass es dem Sohn dort gut gefallen und er nichts vermissen wird.

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